OSTERSONNTAG 2026
Evangelium zum Ostersonntag Joh 20,1-18
1 Am ersten Tag der Woche kam Maria von Magdala frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab und sah, dass der Stein vom Grab weggenommen war.[1] 2 Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem anderen Jünger, den Jesus liebte, und sagte zu ihnen: Sie haben den Herrn aus dem Grab weggenommen und wir wissen nicht, wohin sie ihn gelegt haben. 3 Da gingen Petrus und der andere Jünger hinaus und kamen zum Grab; 4 sie liefen beide zusammen, aber weil der andere Jünger schneller war als Petrus, kam er als Erster ans Grab. 5 Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen, ging jedoch nicht hinein. 6 Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein. Er sah die Leinenbinden liegen 7 und das Schweißtuch, das auf dem Haupt Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle. 8 Da ging auch der andere Jünger, der als Erster an das Grab gekommen war, hinein; er sah und glaubte. 9 Denn sie hatten noch nicht die Schrift verstanden, dass er von den Toten auferstehen müsse

Gedanken zum Ostersonntag
Ostern beginnt mit einem leeren Grab. Es ist kein triumphaler Moment, kein lauter Sieg, sondern ein Moment des Innehaltens. Das, was war, ist verschwunden. Zurück bleibt Verunsicherung, Fragen, vielleicht sogar Angst. Und doch liegt genau darin der Anfang: Im Leeren entsteht Raum für Bewegung, für Aufbruch, für neues Leben.
Aufbrechen heisst, sich nicht festzuhalten an dem, was war – auch wenn es vertraut und sicher erscheint.
Die Frauen am Grab müssen gerade auch das lernen: nicht stehen bleiben, sondern weitergehen, obwohl sie noch nicht verstehen. Ostern ist kein abgeschlossenes Ergebnis, sondern ein behutsames Weitergehen im Vertrauen, dass das Leben stärker ist als der Tod. Gerade heute wirkt diese Botschaft herausfordernd. Die geopolitische Situation ist geprägt von Konflikten, Unsicherheit und Machtkämpfen. Nachrichten von Krieg, Flucht und Spaltung lassen viele zweifeln. Wo gibt es Hoffnung? Wie ist neues Leben mäglich?
Das leere Grab antwortet nicht mit einfachen und plakativen Lösungen. Es nimmt die Realität ernst – den Schmerz, die Verluste, die offenen Fragen. Aber es setzt ein leises, kraftvolles Zeichen dagegen: Das Ende ist nicht das Ende.
Hoffnung an Ostern ist keine naive Zuversicht. Sie ist eine Entscheidung. Eine Haltung, die sagt: Ich rechne damit, dass Veränderung möglich ist – selbst dort, wo wir es uns kaum vorstellen können.
Neues Leben zeigt sich oft unscheinbar in kleinen Gesten der Versöhnung, im Mut, die Wahrheit auszusprechen, im Engagement für Frieden und Gerechtigkeit.
Was ist nun Ostern für uns heute? Vielleicht genau das, dass wir nicht im Stillstand verharren sollen, dass wir uns nicht lähmen lassen von Angst oder Zynismus. Sondern aufbrechen – im eigenen Leben, im eigenen Denken, im eigenen Handeln. Ostern lädt ein, den Blick zu heben – weg vom Grab, hin zum Leben.
Das leere Grab bleibt ein Zeichen. Offen, herausfordernd, tröstlich. Es ruft uns zu: Geh weiter. Das Leben wartet
Annelise Camenzind Wermelinger
